5 seltsame Wörter der deutschen Sprache

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Deutsch ist eine herrliche Sprache. Nicht nur, weil sie so schön kompliziert ist, sondern weil manche Wörter seltsamer klingen, als wir denken. Jeden Tag nutzen wir diese Wörter, und doch, so wage ich zu behaupten, ist nicht bei jedem sofort klar, was sie eigentlich bedeuten. Manchmal, weil wir das Wort nur gesprochen hören, und es uns geschrieben so seltsam vorkommt. Manchmal, weil es sich um alte Wörter handelt, und manchmal verwenden wir dieses Wort aber auch nur in Kombination mit einem Anderen.

Nr. 1: Desto

Natürlich sofort jedem Bekannt als „je…desto“ Kombination sprich, als Synonym für „umso“. Wir sehen das Wort selten allein.
Laut Duden kommt es aus der Verbindung „des“ und „diu“, sprich dem Genitiv und dem Instrumental des Artikel.

Der Genitiv sollte jedem aus der Schule ein Begriff sein: Das S am Ende, der etwas eleganteren Form der Umschreibung: „von dem“. So z.B. „Die Länge des Artikels„.

Komplizierter wird nun das „diu“, also das Instrumental. Diese grammatikalische Form haben wir nämlich nicht mehr im Deutschen. Es ist eine direkte Beschreibung eines Mittels, mit der eine Handlung ausgeführt wird, kann aber auch einfach ein Bezug sein. „diu“ heißt quasi soetwas wie „mit diesem“. Am Beispiel „hiu“ wird es deutlich: „hiu tagu“ hieß ursprünglich „an diesem Tag“. Das fiel im Laufe der Zeit zusammen zu „hiutu“ oder „hiuto“ und bildet die Grundlage für „heute“.

Desto ist also ein verquerer Mix aus „an diesem“ und „des“. Je mehr ich habe, an diesem besser geht es mir? Glaube, da bleiben wir lieber bei „Desto“.

Nr. 2: lau

Noch ein Wort, bei dem man am liebsten ein weiteres hintendran setzen möchte: „warm“. Dabei heißt dieses Wort genau das: Nicht kalt, nicht heiß, nicht gut, nicht schlecht.
Es ist das pendant zum schwedischen lagom – eine vollkommene Ausgeglichenheit, eben „gerade recht“ oder „so, wie es sein sollte“.
Das Sprichwort „diesen Gegenstand gab es für Lau“, also sehr billig oder gratis kommt hingegen aus einer völlig anderen Richtung: Dem jiddischen Wort für „nichts, nicht, nein oder ohne“.

Nr. 3: Garaus

ga raus? graus? Nein, das Wort kennt jeder, jeder hat schon einmal etwas dem Garaus gemacht. Nur wirkt das Nürnberger Wort aus dem 15. Jdh. arg seltsam, wenn man es geschrieben vorfindet. Auch, dass es sich um ein Nomen handelt, aber ein Verb beschreibt.
Zum Ursprung: zur Polizeistunde, also Wirtshaus Sperrstunde rief man früher „Gar aus!“. Damals aber wenigstens noch artig getrennt in zwei Wörtern.

Nr. 4: Auserkiesen

Manchmal gibt es Wörter in der deutschen Sprache, sehr generisch wirken. Nr. 5 ist so ein Beispiel für künstlich erschaffene Wörter. Bei diesem hier gibt es aber durchaus eine Geschichte. Nur blieb die in der Vergangenheit zurück.

Auserkiesen zu werden ist nämlich nichts anderes als danach auserkoren zu sein. Das Wort „erkiesen“ bzw. „kiesen“ bedeutete wählen. Hier kommt auch die Kür im Sinne der „Wahl“ her, von dem sich wiederum der „Kurfürst“, also „der Fürst der den König wählt“ ableitet.

Noch nicht wirr genug? Das althochdeutsche „Kiosan“ bildet auch die Brücke zum englischen „choose“. Bei uns hat sich „erkiesen“ aber nicht durchgesetzt. Das „wählen“ als Ableitung zum „wellan“ bzw. Neudeutsch „wollen“ hatte wohl die Nase vorn. Schade eigentlich, ich wäre viel lieber „auserkoren“, anstatt nur „gewollt“.

Nr. 5: sitt

Das generischte Wort unserer Liste, denn es ist ein Lückenfüller, für das die deutsche Sprache (aber nicht nur diese) keine „hausgemachte“ Lösung bietet.
Sitt ist das Pendant zu „satt“. Das Gegenteil zu „durstig“. Wenn ich genug getrunken habe, bin ich sitt.

1999 wurde vom Duden, gemeinsam mit dem Getränkehersteller Lipton ein Wettbewerb zur Schließung dieser Sprachschatzlücke ausgerufen. Sonderlich erfolgreich war das Wort aber nicht. Bis heute kennt, gebraucht, oder gar braucht es kaum jemand.

Quellen:
http://www.wissen.de/wortherkunft/heute
www.duden.de/rechtschreibung/desto
https://de.wikipedia.org/wiki/Instrumentalis
http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/17390
http://www.wissen.de/wortherkunft/garaus
http://www.wissen.de/wortherkunft/kiesen
http://www.welt.de/print-welt/article586866/Genug-getrunken-Duden-Redaktion-Dann-ist-man-sitt.html
Photo: www.flickr.com

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