Das Parsimonie-Prinzip

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Als Schwabe ist es dem Stammtischprahler angeboren, die Kanzlerin hat es den Griechen vererbt, das Mütterchen hat’s schon immer gewusst: Das Parsimonie-Prinzip, oder zu deutsch Sparsamkeitsprinzip ist die wahre Lebensformel. Stimmts?

Halt, nein, nicht ganz. Denn der philosophische Grundsatz, besser bekannt als „Ockhams Rasiermesser“ ist weniger dazu gedacht, den Geldbeutel zu schonen, als die überstrapazierten Windungen unseres Gehirns, in dem es schlicht und einfach sagt: Die simpelste Lösung ist auch die Richtige.

Parsimonie / Sparsamkeit / Ockams Rasiermesser

Bevor wir in die tiefen der Philosophie tauchen, müssen wir zuerst die Begrifflichkeiten klären.
Was so phantastisch klingt, ist nichts anderes, als das lateinische Wort für Sparsakmeit (parsimonia).
Wilhelm von Ockham war einer der bekanntesten Vertreter dieser Denkrichtung. Sein bildliches Rasiermesser schnitt irrelevante Teile einer Erklärung ab und fokussierte sich auf das Wesentliche.

Mit einer Erklärung ist hierbei alles gemeint, was die philosophischen Geister beschäftigte. Gab es zu einer Problemstellung unterschiedliche Lösungsansätze, wurde dieser Theorie nach der Einfachste verwendet.

Machen wir ein Beispiel:
Ein Auto mit eingedelltem Schutzblech steht auf dem Standstreifen der Autobahn. Was könnte wohl passiert sein? Die naheliegendste Theorie ist ein Auffahrunfall mit Fahrerflucht. Es könnte auch ein Wildwechsel sein, doch diese Art von Unfällen geschieht seltener, daher ist sie weniger Wahrscheinlich. Natürlich könnte auch jemand einen großen Felsbrocken auf das Auto geschleudert haben, oder das Triebwerk eines Flugzeugs fiel herab. James Bond könnte mit seinem neuen Superagenten-Gadget einen Widersacher ausgeschaltet, oder durch spontane Implosion der Materie kam es zu Verformungen…

Wie man sieht reichen die möglichen Erklärungen für egal welches Ereignis von „sehr wahrscheinlich“ bzw. „sehr naheliegend“ bis hin zu „ganz und gar unmöglich“. Ockams Rasiermesser schneidet nun also bildlich die ganzen komplizierten Erklärungen ab. Folgt man der Theorie zum Schluss, sind also alle Autounfälle Auffahrunfälle.

Probleme mit Ockhams Rasiermesser:

Es ist nicht verwunderlich, dass andere Philosophen ein Problem mit dieser Theorie haben. Philosophie beschäftigt sich ja von Haus aus mit komplizierten Dingen und in dieser Welt gibt es keinen Platz für Schwarz-Weiß Denken (vgl. den Stammtischprahlerartikel zum Thema Dichotomie ). Wildunfälle kommen vor, die Natur ist nicht „einfach mal kurz“ erklärt. So vertreten beispielsweise auch Kant oder Leibniz statt des Parsimonieprinzips lieber das Prinzip des Potentials bzw. der Vielfalt.

Vorteile des Parsimonie-Prinzips

Einmal von dem philosophischen Grundansatz abgekommen, findet das Rasiermesser im Alltag rege Verwendung. Die Bärte, die ihm zum Opfer fallen sind beispielsweise falsche Fährten, die es bei der Polizei auszuschließen gilt. Aber auch Lehrer sollten sich bei jeder Lektion denken: Warum erzähle ich meinem Schüler das? Womit verwirre ich ihn mehr, als ich ihm helfe?
Oder wie führe ich einen Stammtischprahlerartikel zielgerichtet dahin, dass sich meine Leser zeitgleich Unterhalten, und doch wieder ein stück Schlauer fühlen?

tl;dr: Quick & Dirty

Parsimonie-Prinzip = Ockhams Rasiermesser = Sparsamkeitsprinzip
Heißt: Die einfachste Erklärung ist die Richtige. „Schneide mit einem Messer alle komplexen Annahmen weg.“
Prinzip in der Philosophie sehr umstritten, aber gut für den täglichen Gebrauch geeignet.

Photo: www.flickr.com

Quellen:

http://de.diversitymine.eu/das-potenzial-prinzip-der-vielfalt/
http://www.philolex.de/ockhrasi.htm

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