Der Stimmlose postalveolare Frikativ

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Wenn man mal auf der Suche nach einem Angeberwort ist, das wirklich abgehoben klingt, und doch etwas alltägliches beschreibt, ist man in der Phonetik, also der Wissenschaft der Sprache, nie verkehrt.
Ein Stimmloser postalveolarer Frikativ beispielsweise wird dargestellt mit dem Lautschiftzeichen [⁠ʃ⁠]​ und klingt nicht anders, als ein „sch“.

Besonders interessant an diesem Laut ist seine Verwendung. Neben dem IPA (Internationales Phonetisches Alphabet) Zeichen: [⁠ʃ⁠]​ gibt es im Deutschen keine einheitliche Schreibweise. Es kann ein „sch“ oder ein „st“ sein, wie beispielsweise in „schön“ oder „Stuhl“. Es kann aber auch mit sp gebildet werden, wie beispielsweise bei „spät“.

Im Englischen taucht der Laut hinter noch mehr unterschiedlichen Buchstaben auf: C bei ocean, SH bei sheep, SSI bei passion oder TI bei nation sind nur einige Beispiele.

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Warum werden Menschen immer größer?

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Jeder, der schon einmal eine Mittelalterburg besichtigte, sieht und hört neben all den interessanten Facts rund um die vergangenen 1500 Jahre vor allem eines: Warnungen über kleine Türen und niedrig hängende Decken. Jeder weiß, damals waren die Menschen kleiner, und während viele schon das Ende der Menschheit durch Übergröße vorhersagen (nach dem Meteoriteneinschlag ist das die zweitverbreitetste Theorie, wie die Dinosaurier ausgestorben sind: Ihre Knochen konnten schlicht ihre Körpermasse nicht mehr tragen.) sehen andere nicht mal einen Trend, sondern nur eine ganz normale Schwankung.

Kurz gesagt, Menschen werden größer, weil es ihnen besser geht. Der Nahrungsmittelbedarf ist voll gedeckt, wir leiden weniger an Krankheiten, haben keine Hungersnöte mehr. Ein gesunder Mensch ist ein großer Mensch – bis zu 18 cm durchschnittliche Körpergröße haben wir in den letzten 150 Jahren dazu gewonnen.

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Orthorexia nervosa – Die Krankheit, gesund zu essen

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Bio ist in, hip, fresh, healthy. Die vegetarische, gar vegane Lebensweise ist so beliebt, wie nie zuvor. Fleisch ist gesundheitsschädlich, ein Smoothy am Tag ersetzt zwei von fünf Portionen Gemüse.
Auf der anderen Seite gibt es kalorinreduzierten Käse, jodiertes Speisesalz, zuckerfreie Süßgetränke. Functional food nennt sich dieser Trend, bei dem Butter nicht mehr einfach Butter sein darf, sondern nebenbei den Cholesterinspiegel senken muss.

Doch wo immer es einen Trend gibt, gibt es Extreme. So kann selbst das Gesund-sein krankhaft werden.
Dieses Syndrom nennt der US-Humanmediziner Steven Bratman „Orthorexia nervosa“. Jedoch ist es bis heute weder eindeutig definiert, noch offiziell anerkannt.

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Wieso die Braut einen Strauß trägt.

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Von wegen Romantik am schönsten Tag des Lebens. Was heute nur der Tradition und Zierde dient, war damals ein wichtiger Begleiter der Braut.

Eher aus der Not geboren, entwickelte sich der Brauch, einen Duftstrauß vor sich herzutragen, um den bestialischen Gestank der, eng in der Kirche zusammengepferchten Menschen, zu übertönen.

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Der Rechtsverkehr

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Dagen Högertrafikomläggningen (Dagen-H) war am 3. September 1967 die Umstellung des gesamtschwedischen Verkehrs von Links auf Rechts. Nicht verwunderlich, dass das ein riesiges Verkehrschaos mit sich brachte, als sich gut 7,5 Millionen Schweden neu eingewöhnen mussten.
Und genauso verständlich ist es, dass England diesen Tag bis heute aufschiebt. Aber warum sollte man auch von Rechts nach Links wechseln? Und warum gibt es überhaupt dominante Straßenseiten?

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Warum steht x für das Unbekannte?

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5x = 15
Jeder kennt diese Gleichungsart aus dem Schulunterricht. Und immer, schon seit der ersten Algebrastunde, ist und bleibt es das x, nachdem man sucht. Auch das später weitere unbekannte hinzukommen, ändert nichts an der Priorität des Buchstabens.
Aber wieso fängt man nicht bei a an zu zählen?

Kurzgesagt: sicher weiß man es heute nicht mehr, jedoch geht die am häufigsten vertretene Theorie davon aus, dass es aus der Übersetzung der ersten algebraischen Schriften stammt, die im frühmittelalterlichen Islam entstanden sind. Was damals als „al-shalan“ bezeichnet wurde (arabisch für „das Unbekannte“) änderten spanische Übersetzer zu dem laut „ck“ ab. Im klassischen Griechisch ist dieser Ausdruck, mit dem „chi“ Symbol belegt – das selbe Zeichen, das heute als x bekannt ist. So gehen viele Experten davon aus, dass der Ursprung auf der willkür dieser Übersetzung basiert.

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Wer war… Otto von Guericke

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Geboren: 30.11.1602
Gestorben: 21.05.1686
Nationalität: Deutsch
Lebenswerk: Begründung der Pneumatik, Beweis der Existenz von Luft und Luftdruck

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Der Solipsismus

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Woher weiß ich, dass ich nicht der einzige Mensch auf Erden bin? Dass das gesamte Universum im eigenen Bewusstsein beschlossen ist?
Das es keine Objekte gibt, keine objektive Ansicht, kein anderes Leben, kein „um mich herum“? Das nicht alles nur ein Traum ist, gesponnen von meinem neuralen Netz? Diese Fragen stellen sich Solipsisten – Anhänger der Theorie, das die Welt wie wir sie kennen, nur in unserem Kopf existiert.

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500 Jahre Reinheitsgebot

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Am 23.04.2016 feiern wir den fünfhundertsten Geburtstag des ältesten Verbraucherschutzgesetzes der Welt: Das Bayerische Reinheitsgebot.
Heute ist es mehr ein Versprechen der Brauereien, damals war es bitter nötig, um die Meister davon abzubringen, teilweise giftige Substanzen in ihr Bier zu mischen.
Aber als was man es auch sehen mag, bis heute ist es bezeichnend für ganz Deutschland und fest verankert, in unserer Kultur, wie sie auf der ganzen Welt wahrgenommen wird.

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Es war einmal… ein Blutbad

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Ach ja, Märchen. Wer hat sie als Kind nicht gerne gehört, gesehen, gelesen? Auf der ganzen Welt gibt es Geschichten von Reisen in Feen- und Abenteuerländer, von Prinzessinen und Drachen, von Hexen und bösen Zauberern.
Die klassischten Geschichten – zumindest in der westlichen Welt – kommen hierbei sicherlich von den Gebrüdern Grimm. Rotkäppchen, Rapunzel, Schneewittchen, das tapere Schneiderlein, Frau Holle, die bremer Stadtmusikanten… Die Liste ist lang, und auch wenn manche Geschichten weniger bekannt sind als Andere, nach fast 200 Jahren sind die beiden Sprachtheoretiker noch immer „state of the art“. Das verdanken wir nicht zuletzt den Disneyproduktionen, die die leicht angestaubten Werke ein wenig überarbeitet als Zeichentrickfilm in die Welt gesetzt haben.
Das es sich hierbei nicht um die originalen Werke handelt, ist vielleicht sogar ganz gut, denn was Jakob und Wilhelm damals zusammentrugen, würde heute bestimmt besorgte Mütter aus den Kinos treiben.

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