Social Engineering – „Software“hacking unseres Gehirns

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Wie im Stammtischprahler Artikel über die Persuasive Kommunikation vom 07.04.2016 schon einmal berichtet, herrscht in unserer Psyche ein starkes reziprozives Verhalten vor.
Nochmal zur Auffrischung: Die persuasive Kommunikation ist jegliche Form von Interaktion, die der Beeinflussung des Gesprächspartners dient. Man will also einen Vorteil von seinem Gegenüber erhalten.
Reziprozität heißt, dass ich etwas gebe, und dafür etwas bekomme. Es ist ein fundamentaler Bestandteil unserer sozialen Kompetenz und wird oft als „Auge um Auge“ diskreditiert. Dabei ist die Reziprozität nichts schlechtes. Hilfst du mir, so helfe ich dir. Darauf basiert nicht zuletzt auch unser Wirtschaftssystem.

Social Engineering ist für diese Sache ein anderes Wort, dass sich seit 1980, speziell in der digitalen Welt geprägt hat; mittlerweile aber auch in anderen Bereichen Verwendung findet. Eine neue Studie der Universität Luxemburg in Zusammenarbeit mit der School of Management in Stuttgart zeigt: auch wenn jeder die Warnungen vor Trickbetrügern kennt, die Zahl derjenigen, die darauf hereinfallen ist ungebrochen hoch.

Dabei versuchten es die Forscher gar nicht, mit verschlagenen Argumenten, wie man sie von doubiosen Telefonanrufen kennt. Etwa á la: „Wir haben ein Problem mit ihrem Bankkonto. Nennen Sie uns kurz ihre Pin, damit wir es lösen können“.
Nein, sie gingen viel brachialer und direkter vor: Kein Trick, keine „Abzocke“. Sondern eine Tafel Schokolade. Und siehe da, bis zu 47,9 Prozent aller Studienteilnehmer waren bereit, ihr Passwort aufzuschreiben.
Dabei spielte es eine wesentliche Rolle, wann es die Belohnung gab. Ganz am Anfang der Befragung (39,9%) und an deren Ende (29,8%) schnitten deutlich schlechter ab, als unmittelbar vor der eigentlichen Aufforderung.

Warum geben wir für eine Tafel Schokolade unsere Geheimnisse Preis?

Weil in uns das starke Gefühl des Gebens und Erhaltens ist. In dem Moment, in dem wir in dem persuasiven Gespräch „gefangen“ sind, sehen wir Handelswerte nicht objektiv. Die Bitte um eine Zeichenkette steht dem ideellen Wert der Schokolade gegenüber. Dass es diese ab 33 Cent im Discounter gibt, blenden wir aus. Für den Affen in uns entsteht ein guter Deal: Immerhin kann man seine Daten ja beliebig oft preisgeben, wohingegen Schokolade etwas ist, dass sich bis unter die Decke stapeln lassen kann.

Als besonders tragisch stellte sich bei der Studie heraus, dass es gerade nicht die ältere Generation ist, die sich für den reziprotiven Missbrauch als besonders empfänglich erwiesen hatte. Die so oft als, für Telefonabzocke so anfällig diskreditierte Altersgruppe schien weniger empfänglich für derart brachiale Mittel, als die „digital natives“. Dabei schnitten beide Geschlechtergruppen ähnlich ab.

Quelle: http://www.heise.de/tr/artikel/Passwort-gegen-Schokolade-3245447.html
http://orbilu.uni.lu/handle/10993/26214

Photo: www.flickr.com

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