Warum Briten ihr Leitungswasser in „Heiß“ und „Kalt“ aufteilen

Vorab: Selbst die Briten haben mittlerweile den Vorteil eines gemischten Wasseranschlusses erkannt. In vielen Hotels, Wohnhäusern und Neubauten wird das mittlerweile weltweit verbreitete System verwendet. Doch noch immer findet man, gerade in älteren Bauten, die klassische Aufteilung in Heiß (und zwar viel zu heiß) und Kalt (also fürchterlich kalt).
Der Grund ist schnell erklärt: Nur das kalte Wasser, sollte getrunken werden. Denn nur für das konnte die Qualität garantiert werden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg herrschte in Groß-Britannien allgemeine Angst und Vorsicht. Die Regierung empfahl daher jedem Bürger, einen eigenen Wassertank – eine Art Notreservoir für Katastrophen – anzulegen. Die Menschen begannen, etwa mittelgroße Tanks in ihre Keller, oder unter den Dachboden einzubauen. Etwa 250 Liter Notreserve sollte man im Falle eines Falles haben. Diese wurde an einen Boiler angeschlossen, der sowohl ein hausinternes Heizungssystem, als auch die eigentlichen Heißwasserausgüsse betrieb. So war man unabhängig von städtischen Hochdruckleitungen und konnte auch im Falle eines Ausfalls Heizung und Warmwasser aufrechterhalten.

Nun konnte man aber nicht garantieren, dass diese „Inselanlagen“ stets fachgerecht gewartet wurden. Leicht konnte das Wasser mit Rost versetzt werden; manchmal war der Kreislauf offen – also der freien Luft ausgesetzt, was zu Verkeimung führen konnte – manchmal bildeten sich Salzablagerungen, die den Speicher ungenießbar werden ließen.
Daher konnte Wasser aus diesen Tanks nicht mehr als Trinkwasser zertifiziert werden.

Das Kaltwasser hingegen kommt direkt aus dem städtischen Verteilungssystem. Hier konnte man die Qualität garantieren, aber nur solange man absolut sicher stellte, dass sich die beiden Kreisläufe niemals vermischten. Wie jeder weiß, geschieht das in einem normalen Vermischungshahn.

Das an sich wäre nicht fatal. Im schlimmsten Falle würde die Person erkranken oder der gefährdete, interne Wassertank könnte einfach ausgespült und ggf. ersetzt werden.
Jedoch wird bei Wartungsarbeiten Wasser rückgespült, um so beispielsweise Siebe zu reinigen. Das heißt, es fließt direkt Frischwasser vom Verbraucher, oder seitens des Verbrauchers zum Anbieter. Vereinigt man verkeimte Wasserreservoirs mit dem städtischen Kaltwasserstrom, kann es zu einer Infizierung eines großen Teils des Wassernetzes kommen. Somit ist die Verkeimung nicht mehr lokal auf ein Haus begrenzt, sondern eine akute Gefahr für hunderte, vielleicht tausende Menschen.

Daher galt für England lange Zeit:
Don’t cross the streams!

Quellen:

https://www.youtube.com/watch?v=HfHgUu_8KgA
Photo: www.flickr.com

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